Gemeinschaft ist ein „must have“!
Projektgruppe Poller Damm stellt ihr Konzept vor
Nach einer Begrüßung durch Sascha Gajewski von der MitStadtZentrale stellen Eva Beyer und Jonas Bücker von der Projektgemeinschaft Poller Damm ihr Konzept und den aktuellen Planungsstand vor. Die Projektgruppe – aktuell bestehend aus 45 Personen zwischen Anfang 30 und Ende 60 – ist hoch motiviert und begeistert von der großen Chance, die sich ihr nun mit der Realisierung eines solch großen Wohnbauprojekts für rund 160 zukünftige Bewohner:innen bietet.
Konkret realisiert werden sollen 50 bis 70 Wohneinheiten mit Wohnungsgrößen zwischen 40 und 310qm auf insgesamt 5.000qm Wohnfläche. Dabei soll es „verschiedene Wohnformen für vielfältige Lebensrealitäten“ geben, z.B. generationsübergreifende Wohngemeinschaften, Clusterwohnungen für Alleinerziehende mit Kindern, Single-Appartements für ältere Bewohner:innen, Town-Houses für größere Familien sowie barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinderung.

Für die jetzige Projektgruppe gilt: Gemeinschaft ist kein „nice to have“, sondern zentraler Aspekt ihres zukünftigen Wohnens. Viele aus der Projektgruppe leben schon seit vielen Jahren gemeinschaftlich, etwa in WGs. 3 % der Gesamtwohnfläche werden für Gemeinschaftsflächen geplant, d.h. rund 150qm. Die Gemeinschaft soll sich am Poller Damm aber nicht nur auf die Bewohner:innen beschränken; sie wollen „aktiver Teil der Nachbarschaft sein“ und haben auch jetzt schon das Gespräch mit Bewohner:innen des Quartiers gesucht, z.B. mit einem Stand auf dem Marktplatz.
Leitbild ist Solidarität
Prägendes Leitbild der Projektgemeinschaft Poller Damm ist Solidarität. Dies ist „für unsere Gruppe ein „must have“, sagen Eva Beyer und Jonas Bücker in der anschließenden Diskussion. 50 % der Wohnungen werden im geförderten Wohnungsbau realisiert. Zudem soll die Finanzierung in der zukünftigen Genossenschaft solidarisch erfolgen. So wird es einen Solidartopf geben, um eine Teilhabe am Projekt auch für Personen mit weniger finanziellen Mitteln zu ermöglichen. Solidarität denkt die Gruppe konsequent noch weiter und möchte einen besonderen Fokus auf drei Personengruppen lenken, die gesellschaftlich häufig von Diskriminierung bedroht sind: Geflüchtete, Menschen mit Behinderung und queere Menschen.
„Wir wollen einen Ort schaffen, wo man sich sicher fühlt“. (Jonas Bücker)
Nachhaltigkeit ist für die Projektgruppe ein weiteres wichtiges Thema. Es gibt einerseits Aspekte, die verbindlich umgesetzt werden müssen – etwa die Erfüllung der Klimaschutzleitlinien der Stadt Köln sowie ein nachhaltiges Mobilitätskonzept. Andererseits hat die Gruppe an mehreren Punkten „über die Vorgaben hinausgedacht“, wie Jonas Bücker betont, etwa durch Verwendung nachwachsender Rohstoffe (Holzbau), erneuerbarer Energieerzeugung über Photovoltaik oder Regenwassernutzung.

Seit dem Ratsbeschluss mit dem Zuschlag für das Grundstück am 19. März arbeitet die Projektgruppe unter Hochdruck. Sie müssen „in sehr krassem Tempo Entscheidungen treffen“ – wie Eva Beyer feststellt. Auch während fast 50 Teilnehmende des Themenabends gebannt der lebendigen und eindrücklichen Präsentation lauschen, laufen parallel Arbeitskreise und Planungstreffen der Gruppe, z.B. zu den Themen Immobilie, Genossenschaft, Finanzen, Gemeinschaft, Onboarding, Öffentlichkeitsarbeit und IT. Dabei wird die Gruppe kompetent begleitet und beraten von verschiedenen Expert:innen, wie der WohnBundBeratung NRW, dem Projektbüro strg+G, der Lebenshilfe Köln sowie dem Büro für gemeinschaftliche Wohnbauprojekte der Stadt Köln.
Auch für das gute Miteinander innerhalb der Gruppe und der Klärung von eventuell auftretenden Spannungen gibt es eine Arbeitsgruppe („Crew Care“). Zum gemeinsamen geselligen Beisammensein gab es in den letzten Wochen noch nicht so viele Gelegenheiten. Dafür sind die gerade anstehenden Aufgaben zu gewichtig; aber auch das soll in Zukunft nicht zu kurz kommen, damit die Gruppe gut zusammenwachsen kann.
„Good enough for now, safe enough to try“
Für ihre Projektarbeit hat sich die Gruppe für die Soziokratie entschieden nach dem Motto „Good enough for now, safe enough to try“. Das Prinzip befördert eine schnelle, effektive Entscheidungsfindung; sehr hilfreich in Anbetracht der vielen Planungsschritte, die zu bewältigen sind. Einiges ist schon passiert: eine GbR ist gegründet, ein Leitbild erarbeitet und ein solidarisches Finanzierungskonzept aufgesetzt. Als nächstes stehen die Beauftragung eines Architekturbüros, die Konkretisierung des Nutzungskonzepts sowie die Erstellung einer Satzung zur Genossenschaftsgründung an.

Besonders interessiert waren die Teilnehmenden des Themenabends am Onboarding-Konzept. Die Projektgemeinschaft hat ihre Gruppe bislang noch nicht erweitert. Dieser Prozess soll gut geplant und vor allem diskriminierungssensibel gestaltet werden: Zunächst wird geklärt, wie der Zugang für Menschen mit Behinderung, Geflüchtete und queere Menschen zur Gruppe erfolgen kann. Wer sich bereits als Interessent:in eingetragen hat – z.B. auf dem Wohnprojektetag – muss sich somit noch gedulden; zu einem späteren Zeitpunkt wird auf diese Listen zurückgegriffen. Zwei Personengruppen werden schon jetzt gesucht: Menschen, die Solidaranteile für die Genossenschaft zeichnen, um anderen mit weniger Finanzkapital den Zugang zu ermöglichen, sowie fachkompetente Genoss:innen (z.B. Architekt:innen, Steuerberater:innen, Bauingenieur:innen oder Buchhalter:innen).

Die Gruppe sieht sich nicht als Expert:innen für die Umsetzung eines solch umfangreichen Projekts mit einem Gesamtvolumen von 26,4 Mio. Euro.
„Es ist ein Glück, dass wir gute Beispiele wie die jungen Genossenschaften Machbarschaft Petershof und Mieter eG am Kalscheurer Weg in Köln haben, und dass es die MitStadtZentrale gibt“. (Eva Beyer)
Mit dieser Unterstützung von vielen Seiten und ihrem eigenen hohen Engagement kommt die Gruppe zu einem selbstbewussten und klaren Statement: „Wir haben eine klare, ambitionierte Vision und wissen um die Herausforderungen auf dem Weg dorthin“. 2030 ist der Einzug ins Wohnbauprojekt geplant.
Weitere Informations- und Kontaktmöglichkeiten mit der Projektgemeinschaft: Homepage, mit der Möglichkeit, sich in einen Newsletter einzutragen, Instagram-Kanal.
