gemeinschaftlich Bauen geht auch auf kleinen Grundstücken
Das gemeinschaftliche Wohnprojekt Görzer Str. 128 in München ist eins der wenigen Projekte im Modell des Mietshäusersyndikats in München. Die Landeshauptstadt lobte 2021 erstmals ein Kleinstgrundstück von 720 qm in einem Konzeptverfahren im Erbbaurecht für gemeinschaftliches Wohnen aus. Die 2020 gegründete Gruppe erhielt den Zuschlag für ihr selbstverwaltetes solidarisches Wohnprojekt. Sie gründete die “Görzer128GmbH” und entwickelte einen dreigeschossigen Holzbau mit 440 qm Wohnfläche in drei Clusterwohnungen. Die 12 Personen zogen im Januar 2025 ein und zahlen eine Miete von 11,50€/qm im geförderten Wohnungsbau der Stadt München – für das extrem teure München ein sensationell günstiger Preis. Im Erdgeschoss liegt außerdem ein Mehrzweckraum, im UG eine Werkstatt und ein Waschraum für alle.
Die rund 3 Mio. Euro Baukosten wurden durch Förderdarlehen, einem Bankkredit und zu einem Drittel über Direktkredite (Nachrangdarlehen) von Einzelpersonen finanziert.
Die Grundrisse sind um einen Kern mit Treppenhaus, Diele und Bädern angeordnet. Verschiedene sog. “Sollbruchstellen” ermöglichen Veränderungen und Koppeln von Räumen, die alle etwa gleich groß sind. Das macht das Haus zukunftsfähig und anpassbar. “Das robuste Haus” und ihre Architekt:innen von etal. erhielten dafür eine von zehn Auszeichnungen beim Deutschen Architekturpreis 2025 und eine Auszeichnung als einer von fünf Finalisten von 200 Einsendungen beim DAM-Preis 2026, ausgelobt vom Deutschen Architekturmuseum.
Das Modell des Mietshäusersyndikats eignet sich besonders auch für kleine Projekte. In Köln gibt es ein ehemals besetztes Haus in Ehrenfeld und ein Einfamilienhaus in Kalk mit je 170 qm Wohnfläche und 6 Bewohner:innen und das denkmalgeschützte Haus BG1006 in Dellbrück mit 250 qm Wohnfläche für 10 Personen und 200 qm Gewerbefläche.
