LC36 saniert: geförderte Mietwohnungen für 40 Menschen

Fotos: Almut Skriver, MSZ

Das ehemals besetzte Haus an der Ludwig-Camphausen-Str. – LC36 – wird – mit viel Eigenleistung – bis Ende 2026 umfassend saniert. Der Mieter-Verein nutzte am sommerlich warmen letzten Mai-Samstag die Bühne des Freiraumkollektivs im Büzepark, um das Projekt auf der Bühne vorzustellen. Zwei Bewohner:innen hatten ein Quiz vorbereitet, das junge Publikum konnte raten, wann und warum das Projekt entstand, wer es jetzt bewohnt und nebenbei etwas über Stadtpolitik lernen. 1984 wurde das 1915 erbaute fünfstöckige Haus am Westbahnhof besetzt, das im Zuge der geplanten Stadtautobahn (durch den Grüngürtel!) abgerissen werden sollte. Die Stadtautobahn wurde dank Bürgerprotesten nie gebaut, das Haus wurde städtisch. Drei Familien, die schon vor der Besetzung dort wohnten, wohnen immer noch im Haus, die Besetzer:innen gründeten einen Verein und wurden Mieter der Stadt Köln.

2023 unterschrieb der Verein einen Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt – bis zum Jahr 2100. Danach konnte ein Bauantrag für die umfassende Sanierung – man heizte noch mit Kohle! – gestellt und Fördermittel vom Land für sozialen Wohnraum beantragt werden. Die Sanierung (Heizung, Fenster, Dämmung, Dachgeschoss) kostet insgesamt 2 Mio.€, hierfür braucht der Verein noch Unterstützung durch Direktkredite von Privatpersonen…

Alle Wohnungen im Haus werden sozial geförderte Mietwohnungen sein, nur für Menschen mit Wohnberechtigungsschein (WBS). Obwohl etwa 45% aller Kölner:innen einen WBS erhalten könnten, gibt es nur 37.000 geförderte Wohnungen in Köln. LC36 trägt nun dazu bei, dass geförderter Wohnraum für 40 Menschen von i. M. 12-65 Jahren langfristig erhalten bleibt – und das im Belgischen Viertel, wo die Mieten mit 16€/qm zweimal so hoch sind. Die ungewohnte Doppelrolle der Mitglieder des Vereins als Vermieterin und Mieter:innen ist eine spannende Herausforderung.

Im Erdgeschoss gibt es die kleine „Hauskneipe“, in der neben dem monatlichen Hausplenum regelmäßig Vorträge, Lesungen und Treffen auch für Besucher:innen stattfinden. So wird ein nichtkommerzieller soziokultureller Raum in der Innenstadt langfristig gesichert.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …