Klein und flexibel

Besuch beim Wohnprojekt Bolo 112 in Frankfurt

Die Projektinitiative entstand 2017. Wegen Aufnahmestopp beim Mietshäusersyndikat wurde 2020 die Sonara eG gegründet, Mitglieder sind die 20 Bewohner:innen, die seit 2025 hier leben. 2020 erhielt die Gruppe den Zuschlag beim städtischen Konzeptverfahren für das laut, schlecht vermarktbare Eckgrundstück an der Bolongarostraße 112 in Frankfurt-Höchst. Beraten wurde die Gruppe von der Genossenschaftliche Immobilienagentur Gima Frankfurt, die auch Eigentümer berät, die ihr Grundstück nicht zum Höchstpreis verkaufen, sondern in gute Hände vergeben wollen. Die Kleinstgenossenschaft finanzierte das Projekt zu 24% mit Eigenmitteln, Fördermitteln und Direktkrediten und weiteren Bankdarlehen, u. a. einem KfW-Kredit. Durchschnittlich bezahlen die Bewohner:innen monatlich 500-600€ pro Person inkl. Nebenkosten, Internet etc., die als Kostenmiete im Gegensatz zu Marktmieten dauerhaft stabil bleiben wird.

die Exkursion hat mich motiviert, gemeinsam mit anderen weiterzumachen – Wilhelm Schwedes, Runder Tisch gemeinschaftliche Wohnprojekte, Köln

Foto: Sascha Gajewski, MSZ

Zusammenleben vielfältiger Lebensformen

Entstanden ist die Gruppe aus Studierenden und jungen Erwerbstätigen, die faire Entscheidungsstrukturen für das Zusammenleben vielfältiger Lebensformen schaffen und eine Balance zwischen Privatheit und Gemeinschaft finden wollten. Inzwischen gibt es 20 Bewohner:innen zwischen 24 und 78 Jahren, eine WG von 30-45-Jährigen und die „Gold-WG“ für Ältere, Kinder sind noch auf dem Weg…

Bilder: www.sonara-frankfurt.de

Um flächensparend zu wohnen, gibt es (laut Siggi etwas zu) kleine Privatzimmer ab 14qm und größere gemeinsame Wohnküchen. Die 6 Zimmer pro Etage lassen sich als eine WG nutzen oder mit separaten Eingängen vom Laubengang aus leicht in 2 Wohnungen unterschiedlicher Größe aufteilen. Das bietet Flexibilität für die Zukunft.

Neu, alt und flexibel

Das von Klaus Korbjuhn und Katharina Kreiss geplante Haus wurde auf dem kleinen Eckgrundstück ab 2023 neu errichtet. Das alte Treppenhaus wurde aus baurechtlichen Gründen integriert und schafft eine besondere Atmosphäre. Der Aufzug im Neubau sorgt für barrierefreie 677 qm Wohnfläche mit bis zu 9 flexiblen Wohnungen mit begrüntem Innenhof und Dachterrasse. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sorgt für eigenen Strom. Der Keller mit Regalen statt Abstellräumen bietet Raum für Fahrräder und homeoffice in heißen Sommern.

Quartiersraum Boloka

Gut sichtbar auf der Ecke liegt im Erdgeschoss der mittelgroße Raum Boloka mit großer Küche. Durch die flexible Ausstattung kann er tagsüber Büro sein, abends wird hier diskutiert, geplant und Musik gemacht. Die je nach Nutzer:in angepasste Miete (Spende, reduzierter oder regulärer Preis) erlaubt nachbarschaftliche Aktivitäten von Vereinen, Initiativen oder antirassistischen Gruppen, bis zur Eltern-Kind-Swingtanzgruppe, Kindergeburtstagen und Hochzeiten (das Standesamt liegt gegenüber). Boloka ist sehr gut ausgelastet und wird zeitweise auch als Gästezimmer genutzt. Er kostet die Bewohner:innen monatlich 37€ pro Person. Zukünftig soll er sich selbst tragen.

Siggi und ich fanden den Austausch sehr sinnstiftend und würden gern mit euch in Kontakt bleiben – Jenny, Bewohnerin


Auszeichnungen

2023 Zukunftspreis Großer Frankfurter Bogen, Stadtfinder Award 2024

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