Mehr als Wohnen – Erfolgsmodell KolLe in Frankfurt
Besuch bei KolLe – gemeinschaftliches Wohnprojekt Kollektiv Leben

Wir besuchen mit unserer Exkursionsgruppe aus Köln das Projekt KolLe, Kollektiv Leben, in Frankfurt Griesheim. In zweiter Reihe direkt an der Autobahn gelegen, ein „Restgrundstück“, das die Stadt Frankfurt 2019 per Konzeptverfahren, im Erbbaurecht an die Gruppe vergeben hat. KolLe entwickelte dafür ein Laubenganghaus für 42 Menschen, die 2025 einzogen. Es ist das erste Frankfurter Neubauprojekt im Modell des Mietshäusersyndikats, MSH, bei dem sich die Hausgruppe mit diesem in einer GmbH zusammenschließt. Das MHS hat ein Vetorecht, sodass das Haus nicht veräußert oder privatisiert werden kann. Das Eigenkapital wurde mit mit 440 gering verzinsten Direktkrediten von solidarischen Menschen aufgebracht.

Nachhaltigkeit auch sozial denken
Fabian und Florian von KolLe berichten, dass die Gruppe2018 aus einem Freundeskreis junger, politischer Menschen entstand, die kollektiv, selbstbestimmt wohnen wollten und entwickelten dazu den Kolle Mini-Podcast zu verschiedenen Themen auf YouTube. KolLe ist das erste Frankfurter gemeinschaftliche Wohnprojekt mit 60% geförderten Wohnungen.
Die Wohnprojekte, die wir besucht haben, sind so vielfältig wie die Menschen, die darin wohnen
– Burgel Langer, Netzwerk gemeinschaftliches Bauen und Wohnen Köln

Flexibel Wohnen als Lebensperspektive
Um auf Veränderungen reagieren zu können, entwickelte KolLe ein Konzept der flexiblen, veränderbaren Grundrisse mit Schalträumen. Es sind 16 Wohnungen möglich, im Moment sind aber viele zusammengeschaltet, z. B. als 8er-WG in 3 Wohnungen. Bäder und Küchen für die maximal mögliche Wohnungsanzahl zu planen war zwar teuer, aber notwendig für die Flexibilität. Es gibt offene Küchen und Duschbäder, Badewannen liegen nur an Gemeinschaftsräumen.
Duch die zentrale Lage, 4 Min. S-Bahn-Entfernung vom Hbf, bewährt sich das Mobilitätskonzept mit nur vier geteilten PKWs und 58 Fahrradstellplätzen. Auf eine teure Tiefgarage konnte so verzichtet werden.
Fotos: Almut Skriver, MSZ
Laubenganghaus mit Werkstattatmosphäre
Die Architekten Thomas Bourlon und Mader Mauder Architekten schufen einen Neubau mit breiten Laubengängen zur Erschließung der Wohnungen und Dachgärten (mit Außenküche). So entstand gleichzeitig ein rege genutzter Freiraum auf mehreren Ebenen.
Das Gebäude, das nahezu Passivhausstandard erreicht hat etwa 1.100 qm Wohnflächen und ist mit ca. 31qm / Person inklusive Gemeinschaftsflächen flächensparend angelegt. Das gesamte Erdgeschoss bietet auf gut 400 qm sog. „Quartiersflächen“ an.
Mit unverputzten Betonwänden, Naturkautschuk-Böden aus Restbeständen wurde gespart und eine Werkstattatmosphäre erzeugt.


Offenes Erdgeschoss
Das ganze Erdgeschoss – ein Novum bei den Frankfurter Wohnprojekten! – steht dem Quartier offen. Hier liegen der 80 qm große Multifunktionsraum, Kreativräume als offene Werkstätten (Werkstatt, Nähwerkstatt, Keramik). Im Coworkingbereich gibt es 18 Arbeitsplätze und zwei Beratungsräume, die vom Verein BiBEr- e. V. vermietet werden.

Mich hat der Mehrwert der Projekte für die Bewohner*innen, aber auch für das direkte Umfeld beeindruckt. Ich hatte zwar schon einiges darüber gelesen und auf Veranstaltungen gehört, aber das persönliche Erleben hat einen großen Mehrwert! – Florian Helbig, Stadt Köln
Vielfach ausgezeichnet
Für sein zukunftsweisendes Konzept erhielt KolLe erhielt bereits diverse Auszeichnungen: Hessischer Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau 2024, Hessischer Staatspreis Energie 2024, GFB 2023 Großer Frankfurter Bogen; nun ist es nominiert für den DAM-Preis des Deutschen Architekturmuseums 2027.




