Hallenwohnen: Vom Experiment zur legalen Wohnform

Hallenwohnen ist ein Wohnkonzept aus der Schweiz, entstanden aus der kreativen Zwischennutzung von Gewerberäumen. Mobile Einbauten ermöglichen sowohl Wohnen als auch Veranstaltungen, Partys und Performances. Es geht um „größtmögliche Lebensfreiheit“sagt Mätti Wüthrich im mitbauimpuls, der inzwischen im Zollhaus lebt, einem Projekt der jungen Genossenschaft Kalkbreite in Zürich, die erstmals das Hallenwohnen in einem Neubau etablierten. Die MitStadtZentrale hat das Zollhaus 2023 besucht.

Vorher lebte Mätti mit einer großen WG in einer Halle im Gewerbegebiet, zwischen Bordell und Moschee. Sein Bett zog er tagsüber an Seilen unter die Decke, dann war Platz für alle mit Tischtennisplatte und Billardtisch. Später bauten sie rollbare Wohnkojen, auf die „das persönliche Chaos reduziert wird. Ein Bett auf Rollen, abgetrennt mit alten Fenstern und umgeben von einer kleinen Fläche mit Tisch und Stauraum, die auch als Kleintribüne genutzt werden kann. Die Ressource Raum sollte durch Selbstbau und ReUse bestmöglich genutzt werden, die Gruppe war „stolz darauf, sich selbst immer wieder neu zu erfinden“. Ähnliches gab es auch in der Kölner Kolbhalle.

Hallenwohnen im Zollhaus

Inzwischen hat Mätti Familie und die Bedürfnisse haben sich geändert, aber es geht noch immer um kostengünstiges, flächensparendes und flexibles Wohnen. Ihr Konzept für 600 qm mit 28 Personen – 21 qm pro Person – mit der sich die Gruppe für eine Etage im Zollhaus beworben hatte, erhielt den Zuschlag. 33 qm pro Person sind im Zollhaus üblich, im Durchschnitt in Zürich sogar 45 qm.

„Es fühlt sich gut an“

Seit fünf Jahren bewohnt die Gruppe die 4,15m hohe Etage im 2. OG. Der Innenhof ist ein safespace für die vielen Kinder, die „viel Raum brauchen und nichts zahlen“. „Gefühlt ist es mit den Gemeinschaftsflächen im Hof und auf der Dachterrasse unermesslich groß“, sagt Mätti. Das Rollenkonzept haben sie beibehalten: Doppelstöckige Einbauten bieten auf 9 qm Grundfläche rollbare Individualräume.

Ausführliche Einblicke gibt es in der Dokumentation von 2019. Dort wird die Gruppe bei der Bewerbung begleitet, ein Kurzvideo zeigt das fertiggestellte Hallenwohnen im Zollhaus

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