“Gute Größe” – Besuch bei der Wohngeno eG in Frankfurt mit 50 Wohnungen

“Die Kritische Masse macht mehr möglich – wer sich hier allein fühlt, muss sich schon anstrengen”

Philipp Niehenke, Genossenschaftsvorstand

Kölner Exkursion zum Wohnprojekt BeTrift

Mitglieder des Kölner Netzwerks, der Politik, der Verwaltung und des Ministeriums und Bewohner:innen von BeTrift

Auf der diesjährigen Fachexkursion der MitStadtZentrale nach Frankfurt, mit Mitgliedern des Kölner Netzwerks, der Politik, der Stadtverwaltung und des Ministeriums, besuchen wir das Projekt BeTrift im Stadtteil Niederrad. Die vier Jahre vorher gegründete Genossenschaft Wohngeno baute hier als zweites Projekt 50 Wohnungen für 80 Erwachsene aller Generationen und viele Kinder. Damit sind sie bislang das größte gemeinschaftliche Wohnprojekt in Frankfurt.

Nachhaltigkeit und Ökologie waren Ziele der Gruppe, die Stadt Frankfurt wünschte Nachverdichtung und gemeinschaftsfördernde Architektur. Als eins von vier hessischen Projekten wurde BeTrift wegen „innovativen Lösungen und Vorbildwirkung“ vom Bundesfamilienministerium für das Modellprogramm „gemeinschaftlich Wohnen, selbstbestimmt leben“ ausgewählt. Eine besondere Herausforderung war, dass der Generalunternehmer drei Monate vor Fertigstellung insolvent war und die Gruppe vieles noch in Eigenleistung selbst machen musste, v. a. in den Außenanlagen. Diese Phase des Projekts zeigt die Doku “Bezahlbares Wohnen – Erfolgsmodell Genossenschaft?” des HR in der ARD-Mediathek.

Der grüne Hof als Herz

Der begrünte Innenhof ist Treffpunkt und Herz des Projekts. Darum entwickelt sich ein abgetrepptes Gebäude mit Laubengängen, die als Freiräume und der Kommunikation dienen. Eine lange Außentreppe verbindet zusätzlich zum Treppenhaus alle Ebenen mit dem Innenhof. Hier trifft man sich beiläufig, ein großer überdachter Bereich im Erdgeschoss bietet bei jedem Wetter Möglichkeiten für Aktivitäten.

Das Haus ist groß genug, dass nicht alle miteinander befreundet sein müssen – Bewohnerin

Gemeinschaftlich nachhaltig Wohnen

Wichtig ist der Gruppe, nachhaltig zu leben. Das zeigt sich in der intensiven Begrünung von Innenhof, Dächern und Laubengängen. Man fährt viel Fahrrad, Stellplätze sind auch für Lastenräder vorhanden, selbst die 18 PKW-Stellplätze werden nicht alle gebraucht, da es ein internes Carsharing gibt. Vorhandene Autos von Mitgliedern können für 30Ct/km ausgeliehen werden, gesteuert über eine App.

einfach selber machen

Das Projekt ist in lockeren Arbeits-Gruppen, z. B. grüne Gruppe, Vergabegruppe organisiert. Statt auf politische Forderungen setzt man die Themen lieber gleich selbst um: junge Familien unterstützen sich gegenseitig, manche finanzieren ein gemeinschaftliches Wohnzimmer, das auch als Coworking-Raum genutzt wird.

Ich liebe es und könnte auch gar nicht ohne – eine Bewohnerin mit Familie

Die Gästewohnung wird von 4-5 Einzelmitgliedern gemietet, die auch das Eigenkapital aufgebracht haben und die Vermietung und Reinigung übernehmen. Natürlich gibt es auch einen großen Gemeinschaftsraum mit Küche, der sich für Treffen und Veranstaltungen eignet, das Büro der Wohngeno eG, Waschküche, Ateliers, Umsonstladen und Werkstatt, die von der Genossenschaft finanziert sind.

Kooperationen für mehr als das “normale” Wohnen

Interessant ist die Finanzierung des Eigenkapitals für besondere Wohnformen wie die WG für Studierende, Wohnungen für Geflüchtete und drei Menschen mit Unterstützungsbedarf: Das Eigenkapital für die WG wurde von einem Bewohner des Projekts gestellt, dabei gibt es langfristig die Option die Wohnung als Pflege-WG zu nutzen. Andere Mitglieder haben die Anteile für die Wohnungen für Geflüchtete übernommen, die Vermietung läuft über die evangelische Wohnhilfe, für die Handicap-WG über den Komm e.V. Außerdem bietet das Projekt 30% geförderte Wohnungen an. Die Kaltmiete für die restlichen Wohnungen liegt mit 12,50€ kalt/qm immer noch deutlich unter der in der Umgebung üblichen 16€. Durch die bei Genossenschaften übliche Kostenmiete wird sich dieser Vorteil langfristig noch verstärken, da die üblichen Steigerungen nicht mitgemacht werden müssen.

Wir wohnen nicht in einer Wohnung, sondern in einem Haus – Bewohner

Die Bewohner:innen fühlen sich hier wohl, bisher gab es außer zwei Todesfällen und einem beruflichen Wechsel keine Auszüge. Das Verhältnis zur Nachbarschaft ist gut, Angebote von BeTrift wie das (Kinder-)kino, Spieleabend, Veranstaltungen wie Hofflohmarkt werden gern angenommen.

Alle Fotos: MSZ, Almut Skriver, Sascha Gajewski, Christine Philippsen

Am Schluss gab es für die nette Führung eine Trinkflasche mit Kölner Dom-Aufdruck als kleines Geschenk…

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