Die von der MitStadtZentrale veranstaltete Fachexkursion zu gemeinschaftlichen Wohnprojekten nach Frankfurt war wieder ein Highlight für die Teilnehmenden aus dem Netzwerk, der Kölner Stadtverwaltung und Politik. Valentin Fuchs von der Stabstelle im Wohnungsamt und Birgit Kasper vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen boten im Gemeinschaftsraum des mit 50 Wohnungen bisher größten Frankfurter Wohnprojekts BeTrift einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte, die politischen und planerischen Instrumente und Gelingensbedingungen, mit denen dort immer mehr Wohnprojekte umgesetzt werden.
Birgit Kasper und Valentin Fuchs Fotos: MSZ
Das Netzwerk Frankfurt, 2009 „aus einem Rudel zorniger älterer Damen entstanden“, die gemeinschaftlich wohnen wollten, besteht aus 140 Einzelmitgliedern und ca. 100 Gruppen. Davon haben 23 ihr Projekt in Frankfurt und ähnlich viele im Umland bereits realisiert. Die Stadt Frankfurt fördert das Netzwerk, das seit 2020 auch die Landesberatungsstelle Hessen betreibt, mit mehreren Personalstellen. Die vorbildliche Zusammenarbeit von Stadt und Netzwerk wurde gerade in der Kategorie „Verwaltung als Partnerin, Koproduktion vor Ort“ mit dem „Bewährt vor Ort“-Siegel des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) und Re:Form für kommunale Lösungen, die sich in der Praxis bewährt haben und auf andere Städte und Gemeinden übertragbar sind, ausgezeichnet.
Nach ersten Projekten, die auf städtischen „Rest“-Grundstücken und einem revolvierenden Liegenschaftsfond realisiert wurden, ist nun der Frankfurter Baulandbeschluss Grundlage für die Frankfurter Konzeptverfahren. Im Gegensatz zum Kölner Kooperativen Baulandmodell werden hier für Neubaugebiete neben 30% gefördertem Wohnungsbau, 15% für das gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnen im Konzeptverfahren, 15% freifinanzierter Mietwohnungsbau und 10% preisreduzierte Eigentumswohnungen festsetzt.
Das inzwischen erprobte Konzeptverfahren zur Grundstücksvergabe an gemeinschaftliche Wohnprojekte wurde in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Frankfurt erarbeitet und weiterentwickelt. Es diente als Beispiel für das das 2025 erstmals angewandte Kölner Verfahren. Wie in Köln werden diese Grundstücke in Frankfurt nur an Akteure mit gemeinwohlorientierter Rechtsform, v. a. an Genossenschaften und Projekte im Mietshäusersyndikat vergeben.
„Hier entsteht ein zweites Segment neben dem geförderten Wohnungsbau mit Blick auf Unternehmen, die langfristig bezahlbaren Wohnraum aus ihrer Wirtschaftsform schaffen“
Valentin Fuchs
Valentin Fuchs beschreibt die Motivation so: „Hier entsteht ein zweites Segment neben dem geförderten Wohnungsbau mit Blick auf Unternehmen, die langfristig bezahlbaren Wohnraum aus ihrer Wirtschaftsform schaffen“. In Köln spricht man vom dringend gebrauchten „preisgedämpften Wohnungsbau, der aber mangels Förderung leider kaum entsteht, da ein vergleichbares Instrument wie der Baulandbeschluss in Köln bislang fehlt.
Frankfurt kauft für diesen Zweck die Grundstücke in Entwicklungsgebieten möglichst frühzeitig an und gibt sie im bewährten Konzeptverfahren im Erbbaurecht weiter. Andere Modelle haben sich nicht bewährt. Der Erbbauzins wurde 2026 für gemeinwohlorientierte Projekte auf 1-1,5% abgesenkt. Das Netzwerk bemüht sich weitere Eigentümer von Liegenschaften für das gemeinschaftliche Wohnen zu gewinnen, z. B. Kirchengemeinden wozu es eine Ausstellung konzipiert hat, die durch die Republik tingelt. „Was die Kirche Nächstenliebe nennt, nennen die Gruppen Solidarität“ sagt Birgit Kasper, die jüngst eine Konzeptausschreibung für ein Mietprojekt für ein Stift mitentwickelt hat. Verfahren für Mieter:innengruppen sollen zukünftig auch von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft u. ä. angewandt werden.
Neben den politischen Grundsatzbeschlüssen trägt der Arbeitskreis Konzeptverfahren wesentlich dazu bei, dass die Verfahren erfolgreich sind. Alle 6 Wochen lädt Valentin Fuchs von der Stabsstelle des Wohnungsamts feste zuständige Mitarbeiter aus Stadtplanung, Bauaufsicht und Liegenschaftsamt und das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen ein. In dieser „kreativen Runde“ werden Konzept-Ausschreibungen und Themen wie §34 oder der Bauturbo besprochen. Durch diese kontinuierliche Zusammenarbeit ist das Verfahren eingespielt wird stetig weiterentwickelt. Das wäre auch ein gutes Modell für Köln!
„Wichtig bei Konzeptverfahren ist Geduld und langer Atem“ sagt Birgit Kasper vom Netzwerk. „Das lohnt sich, weil die Projekte zunehmend mehr sozialen Wohnungsbau umsetzen, der dauerhaft gesichert ist und hier nicht nur Geld an Eigentümer zur „sozialen Zwischennutzung“ gegeben wird“. Für ihre bekannten Qualitäten wie gute Nachbarschaft aller Generationen, Inklusion, flächensparende und ökologische Bauweise, innovative Wohnformen, Integration von soziokulturellen Bausteinen erhalten die gemeinschaftlichen Wohnprojekte immer wieder Auszeichnungen und zeigen, dass sie nicht nur baulich vorbildlich sind, sondern auch sozial.
Die MitStadtZentrale ist zentrale Anlaufstelle für alle Bürger:innen und Initiativen, die ein gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt+ gründen, oder sich einer Projekt-Initiative anschließen möchten. Das + hinter Wohnprojekt(e) steht dafür, dass viele gute Projekte mehr als Wohnen integrieren, das denken wir mit.